2025/2026 Jungjägerkurs

Im Zuge der Digitalisierung wird die Außendarstellung der Jagd u.a. auch von sog. Jagd-Influencern mitgestaltet, die mit ihren Videos nach eigener Aussage Aufklärung betreiben, den Weg des Wildbrets vom Wald auf den Teller zeigen und moderne Jagd  erklären wollen. Anstandshalber wird darin auch stets betont, dass Jagd ein respektvoller Umgang mit der Natur sei und der Gewinnung hochwertiger Lebensmittel diene. Jäger verstünden sich als Naturschützer, die sich aktiv für Biotope und Artenschutz einsetzen. Darüber, inwieweit derartige Videos ihren Anspruch mit Glaubwürdigkeit zu untermauern vermögen, entscheidet im Zweifel der Nichtjäger.

In den sozialen Netzwerken kursierte jüngst ein Video (siehe Galerie), welches das Beste an "wertvollen Content" der Video-Plattform Hunt On Demand (übersetzt: Jagd auf Abruf) zeigt. Der eine schießt seine Mitjäger fast über den Haufen, der andere diganostiziert bei einem kollabierten Jagdhund Simulantentum bzw. angewölfte Faulheit. Auffällig in diesen Videos ist, dass das Selbstbewusstsein und die vorgebliche Erfahrenheit der Influencer oftmals im offenen Widerspruch zu ihrem Lebensalter stehen. Um das Ganze abzukürzen: Der Wert dieses "Contents" ist genauso wertvoll wie ein Porno für die erotische Weiterbildung - am Ende kommt es doch immer auf die Praxis an.

Und so müssen viele Jungjäger nach bestandener Prüfung ihre ersten Jagderfahrungen in der Scheinwelt dieser Jagdpornos sammeln. Welche Folgen das für den Echtbetrieb hat, dokumentieren eindrucksvoll eine Reihe zunehmender Jagdunfälle in der jüngeren Vergangenheit.

Im Hegering Edewecht hat man sich dieser Verantwortung im ablaufenden Jagdjahr angenommen, indem der Vorstand mit Lars Sieger erstmals einen Jungjägerobmann installierte, der den Jungjägern nach bestandener Prüfung Praxiserfahrungen vermitteln sollte. Die Anleitung reichte vom fachgerechten Aufbrechen und Versorgen des Wildes, über den Bau von Reviereinrichtungen wie Hochsitzen, Salzlecken und Kunstbauten sowie über den sicheren Umgang mit Gewehr und Zielstock bis zum Erlernen handwerklicher Fähigkeiten wie das Präparieren von Trophäen. Auch wurde erläutert, was es tatsächlich an Jagdausrüstung bedarf, um auf diese Weise den einen oder anderen naiven Jungjäger davor zu bewahren, dem kommerziellen Lockruf der Jagdindustrie zu folgen. Eigens für die Jungjäger wurde schließlich von der Reviergemeinschaft Friedrichsfehn/Klein Scharrel ein gemeinschaftlicher Ansitz auf Rehwild und von der Reviergemeinschaft Jeddeloh eine Treibjagd organisiert, deren Beständern an dieser Stelle nochmals ein ausdrücklicher Dank gebührt.

Der Hegering Edewecht hofft auf diese Weise seinen Beitrag dazu zu leisten, weitere Gefahren und Schäden, die von der Jagdpornoindustrie für die Jagd als Handwerk ausgehen, abzuwenden und Jungjägern einen realitätsnahen Praxiseinstieg vermitteln zu können. 

Aus diesem Grunde planen wir für das kommende Jagdjahr eine Neuauflage des Formats.