Mähtod vermeiden

Das Video zur Vermeidung von Wildtierverlusten bei der Mahd wurde von der Landesjägerschaft Niedersachsen im Jahr 2015 produziert. Es spiegelt den damaligen Stand der aktuellen Technik wieder.

Wildtierverluste bei der Mahd vermeiden

(PI LJN, 21.04.2020) Die Frühjahrsmahd steht an und fällt zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs aufziehen und sicher wähnen. Natürliche Schutzstrategien wie das „Ducken und Tarnen“ schützen zwar vor Fressfeinden wie dem Fuchs, nicht aber vor den Erntemaschinen. Darauf macht die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) aufmerksam und gibt Empfehlungen. Verschiedene Präventionsmaßnahmen können helfen, Wildtierverluste bei der Mahd zu vermeiden: 

Von innen nach außen mähen lautet die grundsätzliche Empfehlung für die Mäharbeiten. Diese einfache Regel ermöglicht es Rehen, Feldhasen und Co. noch während der Mahd die Flächen nach außen durch das stehende Gras zu verlassen. Je nach Situation, gilt es allerdings auch flächenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen: Bei stark befahrenen Straßen etwa, ist einseitig von der Straße her mit der Mahd zu beginnen. Besondere Aufmerksamkeit ist in den Saumbereichen gefragt, diese sind als Aufenthaltsorte bei vielen Wildtieren besonders beliebt und erfordern zusätzliche Vorsicht.

In Flächen mit bekanntem Wildvorkommen sollte bei den Mäharbeiten die Geschwindigkeit verringert werden und besondere Aufmerksamkeit gelten. Da sich viele Wildtiere vor hellem Scheinwerferlicht instinktiv ducken und nicht mehr flüchte, sollte in der Dunkelheit auf Mäharbeiten möglichst gänzlich verzichtet werden. Bei der Ernte von Ganzpflanzensilage verspricht die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter in der kritischen Aufzuchtzeit zusätzlichen Erfolg – gerade bei Rehkitzen, die sich instinktiv ducken, oder auch bei Bodenbrütern.

Effektive Wildtierrettung beginnt aber bereits vor der Mahd. Landwirte/Bewirtschafter sind tierschutzrechtlich verpflichtet, bei der Durchführung landwirtschaftlicher Maßnahmen, Tieren vermeidbare Leiden oder Qualen zu ersparen. Sie sollten die geplanten Erntetermine rechtzeitig, mindestens aber  24 Stunden vorher, mit dem Jagdpächter absprechen. Alternativ können die Bewirtschafter der Flächen selbst erforderliche Maßnahmen zur Wildtierrettung ergreifen. Dazu zählt das Absuchen der Wiesen mit Jagdhunden, der Einsatz von Wildrettern oder anderen Vergrämungsmaßnahmen. 

Kostengünstig und sehr effektiv sind beispielsweise Knistertüten oder Flatterbänder in den Flächen. Auch der Einsatz von elektronischen Wildscheuchen hat sich im Praxiseinsatz bewährt. Jeweils ein Gerät  pro drei Hektar kann zur Beunruhigung ausreichen. Als sehr erfolgreich hat sich auch der Einsatz so genannter akustischer Wildretter erwiesen. Diese an den Erntemaschinen angebrachten Signaltongeber erzeugen einen sehr hohen Piepton, der Wildtiere zur Flucht veranlasst.                                                                                            

In jüngerer Zeit kommen vermehrt Drohnen mit Wärmebild- oder Infrarot-Technik zum Einsatz. Sie können helfen, Jungtiere auf großen Flächen zu lokalisieren, um sie so vor den Erntemaschinen zu retten. Da der Einsatz dieser Drohnen nicht flächendeckendeckend gewährleistet ist und zudem stark von äußeren Faktoren wie z.B. der Außentemperatur abhängig ist, sind die bewährten Maßnahmen und Strategien zur Vermeidung von Wildtierverlusten bei der Mahd weiterhin von essenzieller Bedeutung.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN), das Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V.  und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) appellieren an die Landwirte, die bekannten Präventivmaßnahmen zu nutzen, um möglichst viele Jungtiere vor dem Mähtod zu retten.

Wichtig auch bei der Wildtierrettung ist in Zeiten der Corona-Pandemie, die Beachtung der allgemeingeltenden Regelungen in Bezug auf die Kontaktbeschränkungen, wie sie am Tag der Mahd gelten.

Rechtliche Hinweise zur Rehkitzrettung – Allgemein:

Nach Auskunft des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz handelt es sich bei der Rehkitzrettung um „Jagdausübung“ in Form des Aufsuchens und Fangens von Wild. Auf den fehlenden Aneignungswillen kommt es nicht an. Damit handelt es sich um ein ausschließliches Recht des Jagdausübungsberechtigten. Eine Handlung ohne dessen Zustimmung stellt Jagdwilderei dar. Das Jedermannsrecht nach § 45 Abs. 5 BNatSchG, hilflose Tiere aufzunehmen um sie gesund zu pflegen, gilt ausdrücklich nur vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften, also nicht für Wild. Die Rehkitzrettung bedarf also zumindest einer Erlaubnis des Revierinhabers. Ferner bedarf es bei der Jagdausübung eines Jagdscheins, wobei es bei der Rehkitzrettung genügt, wenn der Verantwortliche einen Jagdschein besitzt und andere Personen lediglich Hilfe leisten. Die Wildrettung ohne Einbeziehung des Jagdausübungsberechtigten darf es nicht geben.

Tierschutzrechtlich verpflichtet ist der Landwirt, bei der Durchführung landwirtschaftlicher Maßnahmen, Tieren vermeidbare Leiden oder Qualen zu ersparen. Landwirte, die vorsätzlich gegen diese Pflicht verstoßen haben, wurden bereits in der Vergangenheit strafrechtlich verfolgt und verurteilt. Aufgrund dieser eigenständigen Verpflichtung des Landwirtes gehört die Kitzrettung damit zugleich zur „ordnungsgemäßen Landwirtschaft“.

 

Rechtliche Hinweise zur Rehkitzrettung – unter besonderer Berücksichtigung der derzeitigen Corona-Pandemie

Die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, einschließlich der Jahreszeit bedingten erforderlichen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, ist nach § 3 Nr. 2 der Corona-Verordnung unter den allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen zulässig. Entsprechendes gilt für die Jagdausübung als körperliche Betätigung im Freien. Die Kitzrettung im Auftrag des Landwirtes (und mit Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten) als Teil der Landwirtschaft oder unmittelbar in Absprache mit dem Jagdausübungsberechtigten als Teil der Jagdausübung sind somit grundsätzlich zulässig. Darüber hinaus müssen die Vorgaben der Coronaverordnung (es ist stets der aktuelle Stand: am Tage der Mahd zu berücksichtigen) zur Beschränkung sozialer Kontakte anlässlich der Corona-Pandemie beachtet werden:

In der Öffentlichkeit ist zu anderen Personen ein Mindestabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten. Dies gilt nicht für Personen, die in einer gemeinsamen Wohnung wohnen.

Darüber hinaus sind Ansammlungen im öffentlichen Raum nur mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet. Im Vergleich zu den anderen nach § 3 der Allgemeinverfügung erlaubten Tätigkeiten setzt eine Ansammlung die unmittelbare Nähe voraus. Wenn das Rettungsteam z.B. aus einem am Feldrand stehenden Drohnenführer besteht und zwei weitere Personen mit deutlichem Abstand das Kitz aufsuchen und bergen, sind die Vorschriften eingehalten.

Weitere Informationen zur Wildtierrettung in Zeiten der Corona-Pandemie erhalten Sie auch auf der Homepage des DJV:  https://www.jagdverband.de/kitzrettung-zeiten-der-corona-krise