Öffentlichkeitsarbeit

Ohne Bejagung müssten in Niedersachsen jährlich über 165000 Rehe, Hirsche und Wildschweine an Krankheiten eingehen oder verhungern, wenn die Anzahl der Wildtiere auf dem jetzigen Niveau bleiben soll
Der letzte Bissen – ursprünglich entschuldigte sich damit der Jäger dafür, dass er das Tier geschossen hat
Wildleberterrine in Orangengelee – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Wild ist ein hochwertiges Lebensmittel, mehr Bio geht nicht
Im Frühjahr gehört die Rettung von Kitzen vor dem Mähtod mit zu den Aufgaben der Jäger Foto: Kuno Kumpins / piclease
Hunde sind unerlässlich für die Jagd, z.B. um verletztes Wild zu finden. In ihre Ausbildung investieren Jäger viel Zeit und Mühe Fotos (4): U. Kruse

„Tu Gutes und rede darüber“ - Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Soltau e.V.

„Tu Gutes und rede darüber“ ist das oft zitierte Motto der Öffentlichkeitsarbeit. Auch wir Jäger und Jägerinnen brauchen die. Sie ist immer dann gefragt, wenn entweder nicht genug bekannt ist von dem, was wir tun, oder wenn Menschen nicht verstehen, dass das, was wir Jäger tun, gut ist.

Ist das gut, was wir tun? Und wie machen wir das einsichtig? Wenn jemand ein ideologisch verbohrter Jagdgegner ist, wird er oder sie sich von keinem noch so vernünftigen Argument überzeugen lassen. Man hat sich sein Weltbild geschaffen und hält sich an seine eigenen, „alternativen Fakten“. Aber es gibt genug andere Menschen, mit denen wir ins Gespräch kommen können und müssen. Dafür haben wir gute Argumente.

 

Regelt sich die Natur von selbst?

Das wohl häufigste Argument, dem wir begegnen, lautet: „Die Natur regelt sich doch von selbst – wozu bedarf es dann der Jagd?“ Es stimmt, die „Natur“ – was denn heute so darunter verstanden wird - regelt sich von selbst. Aber sie tut es auf ihre Weise und die Frage ist, ob wir das wollen. In unserer Kulturlandschaft haben nur die Arten eine Chance, die sich anpassen können. Kulturfolger breiten sich aus, Kulturflüchter verschwinden und sterben aus, wenn Jäger nicht mit Hegemaßnahmen und mit Flinte oder Büchse für ihren Schutz sorgen. Außerdem müssten dann, wenn die Natur sich selbst regulieren und der Bestand an Wildtieren auf dem heutigen Niveau bleiben soll, die überzähligen Tiere, die jetzt geschossen werden, an Seuchen eingehen oder schlicht verhungern. In Niedersachsen wären das jedes Jahr über 165.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine. Wir haben eben keine Urwälder mehr mit einer ausreichenden Zahl von Raubtieren, die regulierend eingreifen. Die Diskussion über den Wolf zeigt jetzt schon, dass wir uns allmählich der Akzeptanzgrenze der Menschen im ländlichen Raum nähern. Und dann vielleicht auch noch Bären in unseren Wäldern, die keine Urwälder sind? Das wird niemand wollen, das wäre in unserer Landschaft auch nicht machbar.

 

Haben wir Lust am Töten?

Manchmal wird uns Jägern vorgehalten, wir hätten Lust am Töten. Wer die hat, sollte sich dringend in psychotherapeutische Behandlung begeben. Ich jage nicht aus Lust am Töten, aber auch nicht emotionslos. Als Jäger bin ich kein Wildtiermanager, der ohne Gefühle seinen Abschussplan erfüllt.  Das Erleben der Natur ist für mich wichtig und das Beobachten von Tieren. Wenn ich mich dann entschließe, ein Tier zu schießen, geschieht das nicht wahllos, sondern nach bestimmten Kriterien. Dabei trage ich die Verantwortung für den Tod eines Lebewesens und will, dass es möglichst ohne Angst und Schmerzen stirbt. Darum muss ich mich, besonders im Moment der  Schussabgabe, unter Kontrolle haben.  Ein Jäger lebt in der Spannung, dass er das, was ihn fasziniert, tötet. Auch im Tod behandle ich ein Tier mit Respekt, verweile einen Moment am erlegten Wild und bedenke mein Tun. Wenn es dem menschlichen Verzehr dienen soll, sehe ich zu, dass es sauber aufgebrochen und versorgt wird; denn durch die Jagd erhalten wir ein hochwertiges Lebensmittel. Die Tiere, die wir erlegen, haben ein freies, selbstbestimmtes Leben geführt. Sie haben sich natürlich und gesund ernährt und konnten sich bewegen, wie sie wollten. Wenn dann der Schuss exakt trifft – und darum bemühen wir uns, dafür trainieren wir – stirbt das Tier angstfrei und ohne Qual. Jeder Mensch, der Fleisch und Wurst isst, der Lederschuhe, -taschen, -gürtel und dergleichen trägt, hat andere für sich töten lassen ohne zu wissen, wo und vor allem wie das geschah und unter welchen Umständen das Tier, das er nutzt, gelebt hat. Wer jagt, weiß von seinem Tun und trägt die volle Verantwortung dafür. Jäger haben einen hohen ethischen Anspruch, sie nennen das „Waidgerechtigkeit“, die alle Facetten der Jagd bestimmt.

 

Was tun wir denn Gutes? 

Kein anderer Naturschutzverband in Deutschland investiert so viel an Zeit und Geld für die Natur wie die Jägerschaft. Ohne unseren ehrenamtlichen Einsatz müsste der Staat enorme Steuermittel aufwenden um das zu leisten, was wir unentgeltlich tun. Allein die Regulierung des Wildbestandes durch Berufsjäger würde Unsummen an Geld kosten. Ganz zu schweigen von Biotopen, die Jäger anlegen und unterhalten,  Wildäcker oder Hecken, Blühstreifen, Teiche, um nur einige Beispiele zu nennen. Und das kommt nicht nur dem jagdbaren Wild zugute, sondern allen freilebenden Tieren.

Jäger sind es, die Unfallwild entsorgen oder verletztes Wild, das nicht am Unfallort liegt, suchen und von seinen Qualen erlösen. In Niedersachsen sind im Jahr 2015 /16 über 28.000 Stück Schalenwild dem Verkehr zum Opfer gefallen. Damit es möglichst gar nicht erst zu einem Wildunfall kommt, sind an vielen Leitpfosten blaue Warnreflektoren angebracht, die das Wild daran hindern sollen, bei Annäherung eines Fahrzeugs die Straße zu überqueren. Jägerinnen und Jäger sind es, die in ihren Revieren die Reflektoren anbringen und in Ordnung halten. 

 

Wie reden wir darüber?

Öffentlichkeitsarbeit ist nicht die Aufgabe von einzelnen, die als Obleute dafür gewählt oder berufen wurden. Jeder Jäger und jede Jägerin vertritt die Jagd in der Öffentlichkeit, sobald unsere Mitmenschen unser Tun wahrnehmen. Alle, die die Jagd ausüben, sind auch Botschafter der Jagd. Wenn wir davon überzeugt sind, dass wir Gutes tun, wie teilen wir das anderen mit?

Jeder Mensch erinnert sich an Erlebnisse, wo er oder sie unfreundlich behandelt wurde, angeschnauzt oder gar angeschrien. Das bleibt haften. Darum ist es äußerst wichtig, dass wir Jäger mit den Leuten, die uns im Revier begegnen, freundlich umgehen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn ich beim Ansitz von Spaziergängern oder Joggern gestört werde. Aber dadurch, dass wir Jagdpacht bezahlen, haben wir kein Monopol auf die Natur. Wenn wir mit Spaziergängern ein paar Worte wechseln und ihnen, wenn es sich ergibt, erklären, was wir tun und selbst bei Störungen ruhig und freundlich bleiben, dann holen wir andere mit ins Boot und haben dadurch vielleicht viel für die Zukunft gewonnen. An besonders positive Erlebnisse erinnern sich Menschen nämlich auch gern.

 

Taten sind mehr als Worte

Jäger können ihren Mitmenschen nicht nur mit Worten mitteilen, was sie tun. Man kann durchaus auch mal jemand, der nicht jagt, mitnehmen, zu einer Fahrt durchs Revier oder auf Ansitz. Durch die deutschlandweite Aktion 'Gemeinsam Jagd erleben' wird das motiviert und gefördert (https://jaeben.jagderleben.de/ die-aktion). 

Die Hegeringe unserer Jägerschaft  starten jedes Jahr vielfältige Aktionen, die nicht nur der internen Kommunikation dienen, sondern auch für die nichtjagende Öffentlichkeit bestimmt sind. Sie sind z.B. auf Stadt- oder Dorffesten präsent, machen mit bei Ferienpassaktionen, unternehmen Wanderungen mit Kindern oder laden Gäste zu Fahrten ein. Der Grüne Ball in Bispingen ist ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und der Jägerabend dort eine Veranstaltung, zu der auch viele Menschen kommen, die nicht das „grüne Abitur“ in der Tasche haben. Ganze Schulklassen erfahren auf der jährlichen Hegeschau in Soltau etwas über die Wildtiere in unserer Umgebung. Die Jägerschaft Soltau e.V. stellt in diesem Jahr wieder Stundenpläne, Malbücher und Bausätze von Nistkästen für die Öffentlichkeitsarbeit der Hegeringe zur Verfügung. 

Es gibt eine Vielzahl von guten und überzeugenden Aktionen, mit denen wir unsere Sache in der Öffentlichkeit vertreten. Sicherlich ist das ein Grund dafür, dass es noch nie so viele Jägerinnen und Jäger in der Bundesrepublik gab wie derzeit und noch nie so viele Aspiranten auf die Jägerprüfung. Offensichtlich tun wir Gutes und reden auch darüber. Wir sollten uns darum bemühen, das zu optimieren.

 

                    Hans-Ulrich Kruse,

                     Obmann für Öffentlichkeitsarbeit