Kitz- und Jungwildrettung mit Drohnentechnik

Auch in diesem Jahr setzt die Jägerschaft Braunschweig die erfolgreiche Kooperation mit dem Malterser Hilfsdienst zum Schutz von Jungwild während der Mahd fort. Dabei kommt modernste Drohnentechnik zum Einsatz.

 

Dieses Rehkitz konnte nach der Mahd wieder sicher am Feldrand ausgesetzt werden

Die Drohne mit der Wärmebildkamera wird für den Start vorbereitet

Ein weiteres gefundenes Kitz wartet auf die Wiederaussetzung

Im Juni hat wieder die Mahd der Wiesen begonnen. Zur Heugewinnung genutzte Wiesen werden ein- bis zweimal pro Jahr gemäht. Gleichzeitig stellen Wiesen für vielerlei Wild eine perfekte Kinderstube dar. Die Ricken legen beispielsweise zum Schutz vor Fressfeinden in den frühen Morgenstunden ihre Kitze in den Wiesen ab. Die Rehkitze sind noch geruchlos und werden so in der Regel von Raubwild nicht entdeckt. Deshalb verharren sie in aller Stille in ihrem Versteck. Diese erfolgreiche Überlebensstrategie erweist sich im Zusammenhang mit der Wiesenmahd aber als überaus gefährlich, denn die Mähwerke stellen für die sich drückenden Rehkitze eine tödliche Gefahr dar. Das Gleiche gilt selbstverständlich für zahlreiche andere Jungwildarten, wie zum Beispiel für Gelege von Bodenbrütern wie dem Fasan oder der Feldlerche.

Um das Jungwild vor diesem schrecklichen Schicksal zu bewahren, leisten Jägerinnen und Jäger der Jägerschaft Braunschweig auch in diesem Jahr wieder freiwillig zahlreiche Stunden in aller Früh bei der Kitzrettung. Dabei wird seit einigen Jahren auf eine Kooperation mit dem Malteser Hilfswerk und den Einsatz modernster Technik gesetzt.

Die erfahrenen Drohnenpiloten der Malteser überfliegen mit einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, kurz vor dem Mähtermin die betreffenden Felder. Die Wärmebildtechnik spürt dabei selbst kleinste Wärmequellen wie Kitze und Gelege in den Wiesen auf. So können die Kitze gezielt aus der Wiese geholt und in einen der nahen Randstreifen oder an den Waldrand gesetzt werden. Dort holt sie dann die Ricke in den Abendstunden wieder ab. Dabei ist es extrem wichtig, dass die Kitze nur mit Handschuhen und etwas Gras angefasst werden. Die menschliche Witterung würde sonst dazu führen, dass die Ricken die Kitze verstoßen und diese verhungern.

Das Finden der im Randstreifen abgesetzten Kitze stellt für die Ricken übrigens keine Schwierigkeit dar, denn die Kitze antworten auf den vertrauten Ruf ihrer Mutter. Gelege sind dabei schwieriger zu schützen, denn diese können nicht einfach versetzt werden. Deshalb werden sie gut sichtbar markiert und der Landwirt lässt die betreffenden Stellen beim Mähen aus.

Doch auch bereits vor der Etablierung der Drohnentechnik hat die Jägerschaft diese wichtige Aufgabe zum Schutz des Jungwildes wahrgenommen. Durch das gezielte Abgehen mit dem brauchbaren Jagdhund lassen sich Kitze aufspüren. Er zeigt durch sein Verhalten die Anwesenheit von Jungwild in der Nähe an und es wird auf die gleiche Weise an die Wiesenränder versetzt. Dies ist ein sehr zeitaufwendiges Verfahren. Die Nutzung der Drohnentechnik ermöglicht es, zahlreiche Wiesen in viel kürzerer Zeit zu kontrollieren.

Allein bei der letzten Befliegung von mehreren Wiesen im Revier Riddagshausen konnten so 9 Kitze vor dem Mähtod bewahrt werden. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten hat hier optimal funktioniert – jede gemähte Wiese konnte zuvor beflogen und kontrolliert werden.

Im letzten Jahr wurden in den Braunschweiger Jagdbezirken insgesamt 80 Rehkitze gerettet. Die Jägerschaft und der Malteser Hilfsdienst sind auf Spendengelder angewiesen, um die Einsätze auszuweiten und die Drohnentechnik zu finanzieren.