Jäger engagiert bei der Wildtierrettung

Rehkitz in der Wiese.

Sicht auf die Fernbedienung im Echtbildmodus.

Angefasst werden sollte das Jungtier nur mit Handschuhen und viel Gras.

Drohne mit Rettungsteam.

Jedes Jahr im Frühjahr stehen Jäger, Landwirte und Lohnunternehmer vor einem gemeinsamen Problem: Der Mahdtermin von Grünland und Ackergras fällt in die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildtiere. Rehkitze, Damkälber, Bodenbrüter oder auch Junghasen können sich in den zum Mähen anstehenden Flächen aufhalten und verbringen so die ersten Lebenswochen im schützenden Gras. Sollte mal ein Feind wie z.B. der Fuchs in ihre Nähe kommen, drücken sie sich ganz mucksmäuschenstill, da sie noch zu klein sind, um selbst wegzulaufen. Auch vor den großen Traktoren mit Mähwerken würden die Jungtiere nicht weglaufen, sondern sich lediglich wegducken. Das Mähwerk würde sie dann erfassen und verletzen oder sogar töten. Bleiben diese Tierreste im Tierfutter, können wiederum die Tiere des Landwirtes, die von diesem Futter fressen krank werden oder sogar sterben. Dies möchten weder Landwirt noch Jäger und arbeiten deshalb intensiv zusammen.

Das Wichtigste für eine effektive Wildtierrettung ist es, dass die Mähtermine mindestens zwei Tage vorher den Jagdausübungsberechtigten bekannt gegeben werden. Das funktioniert in der Regel sehr gut über eine WhatsApp Gruppe, in der alle Beteiligten gelistet sind.

In der Vergangenheit erfolgte die Wildtierrettung durch das Absuchen der Flächen mit Menschenketten oder mit brauchbaren Jagdhunden. Auch wurde mit dem Aufstellen von Scheuchen oder optischen und akustischen Wildwarnern versucht das Wild aus den Flächen zu vertreiben.

Mittlerweile haben sich Drohnen mit integrierter Wärmebildkamera als Hilfsmittel zur Jungwildrettung durchgesetzt. Die Wärmebildkamera macht die Temperaturunterschiede in der Wiese sichtbar, sodass kein Wildtier sich vor ihr verstecken kann. Dies klappt sogar bei Flughöhen von bis zu 100 Metern. Wichtig dabei ist es aber, dass die abzusuchende Fläche kühl ist. Darum findet die Suche in der Regel morgens früh statt. Da klingelt der Wecker oft schon um 4 Uhr! Am Tage können die Flächen durch die Sonneneinstrahlung zu sehr erwärmt sein, sodass auch Maulwurfshügel als Wärmequelle erkannt werden und dies zu unnötigen Rennereien führt.

Wenn ein Wärmepunkt in der Fläche ausgemacht wird, schaltet der Pilot vom Infrarotbetrieb auf den Echtbildmodus um und kann mit dem sehr starken Zoom der Kamera meist erkennen um was es sich bei der Wärmequelle handelt. Ansonsten muss eventuell die Flughöhe reduziert werden. Handelt es sich dann um ein Jungtier, dass wahrscheinlich nicht aus der Fläche flüchtet, wird ein Helfer mit einem Funkgerät losgeschickt, um das Jungtier aus der Fläche zu nehmen. Das Anfassen des Tieres sollte wiederum mit Handschuhen und viel Gras erfolgen, damit möglichst keine menschliche Witterung an das Tier kommt. Anschließend wird das Wildtierjunge in einem Korb oder einer Transportkiste außerhalb der Fläche festgesetzt. Dann kann der Landwirt mit dem Abmähen der Fläche beginnen und im Anschluss das festgesetzte Jungtier wieder in die Freiheit entlassen. Die Tiermutter findet mit Hilfe von Ruflauten ihr Junges stets wieder.

„Es ist schon herausragend, was in diesen Tagen von einigen Jagdausübungsberechtigten in Sachen Wildtierrettung geleistet wird. Jeden Morgen vor der Arbeit stehen diese Jäger auf und leisten diesen wertvollen ehrenamtliche Beitrag. Entlohnt wird man durch das gute Gefühl, diese hilflosen Jungtiere vor dem Mähtod bewahrt zu haben.“, sagt Hegeringleiter Lutz Wemken.

gez. Lutz Wemken