Hegering unterstützt Studie zur Chronischen Auszehrungskrankheit

Die 30 gesammelten Proben.

Im Jahr 2021 hatten Wissenschaftler des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) bereits darum gebeten, das Forschungsprojekt „Bekämpfung der Chronic Wasting Disease in Europa“ zu unterstützen. Dafür wurden ca. 900 Proben aus der gesamten Bundesrepublik genetisch untersucht. Auch der Hegering Rastede Nord beteiligte sich damals mit der Abgabe von 30 Proben des heimisch erlegten Rehwildes.

Die Chronische Auszehrkrankheit befällt Rot-, Reh und Sikawild, Elche oder auch Rentiere.

Der Erreger der Chronischen Auszehrungskrankheit - oder englisch Chronic Wasting Disease (CWD) - ist ein infektiöses Prion-Protein, ein fehlgefaltetes Eiweiß. Die Krankheit betrifft Rot-, Reh und Sikawild aber auch Elche. Damwild ist nicht betroffen. Ähnlich wie BSE bei Rindern oder Scrapie bei Schafen ist CWD eine Erkrankung des Gehirns, eine sogenannte Transmissible Spongiforme Enzephalopathie (TSE). Erkrankte Tiere wirken apathisch, appetitlos, magern ab und sterben letztendlich an den Folgen. Tiere infizieren sich durch direkten Kontakt mit Artgenossen oder über kontaminierte Futterstellen. Die Empfänglichkeit für derartige Erkrankungen hängt von genetischen Faktoren ab, die bei Hirschen in Nordamerika nachgewiesen werden konnten. Da diese Informationen für die heimischen Hirsche fehlen, setzt hier das Forschungsprojekt an.

Der CWD-Erreger ist extrem umweltresistent. Das infektiöse Prion-Protein überlebt Jahrzehnte im Boden. Ist der Erreger einmal auf der Jagdkleidung, überlebt er sämtliche Waschgänge und übliche Desinfektionsmittel. Abkochen ist unwirksam. Lediglich eine mehr als einstündige Behandlung in hochkonzentrierter Natronlauge oder eine Behandlung mit Hitze und Druck über mehrere Stunden können das Eiweiß vernichten.

Noch immer befindet sich das größte CWD-Ausbruchsgebiet in Nordamerika. Seit 2016 ist die CWD jedoch ebenfalls in skandinavischen Rentieren bekannt und wurde seitdem dank aktiver Surveillance in Skandinavien zudem frühzeitig in Elchen, Rothirschen und Rentieren entdeckt. So konnten schnell Maßnahmen zur Eindämmung der Weiterverbreitung des CWD-Erregers ergriffen werden. Aufgrund der hohen Stabilität des Erregers in der Umwelt und der Resistenz gegen geläufige Dekontaminationsverfahren, kann eine Weiterverbreitung der CWD jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, insbesondere der Mensch ist dabei als Risikofaktor anzusehen. Um den CWD Status des in Deutschland vorkommenden Schalenwildes zu evaluieren, führt das Friedrich-Loeffler-Institut nun eine aktive Surveillance während dieser und der kommenden Jagdsaison. Zudem wurden bereits ca. 300 Proben aus den vergangenen Jagdjahren untersucht. Insbesondere Proben von Rot-, Reh- und Sikawild sind dabei von Interesse.

Die Wissenschaftler benötigten jetzt wieder bundesweit Probenmaterial von Rot-, Reh- und Sikawild. Dafür sollte Probenmaterial von adulten Stücken vom Gehirn (verlängertes Mark) und tiefe Halslymphknoten für die Untersuchung in ein Probenröhrchen extrahiert werden. Aus den Proben wird die DNA präpariert und eine Genotypisierung durchgeführt.

Auch der Hegering Rastede Nord hat sich dazu entschieden, dieses Projekt wieder in Form von gesammelten Gewebeproben von Rehwild zu unterstützen. Hierzu wurden 30 Probenbehälter bei Thoms Janßen und Lutz Wemken platziert, die die Proben genommen haben.

gez. Lutz Wemken