Rechtliche Grundlage

Bevor die Tätigkeiten und Leistungen der Jäger Niedersachsens in der Natur ausführlich dargestellt werden, sei ein knapper rechtlicher Diskurs vorangestellt:

Jagd hat zum Ziel, die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes. Das setzt die Pflege und Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes voraus. Zum anderen muß dafür gesorgt werden, daß die Wildbestände in der Größenordnung gehalten werden, daß die Beeinträchtigungen der ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung vermieden werden. Wir haben bei der Jagd also 2 Schwerpunkte: Sicherung der Lebensgrundlagen und Regulierung der Wildbestände.

Naturschutz hat zum Ziel, die Natur und Landschaft im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, daß die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, die Nutzbarkeit der Naturgüter, die Pflanzen- und Tierwelt sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur und Landschaft als Lebensgrundlage des Menschen nachhaltig gesichert sind.

Grundsätzlich muß festgehalten werden, daß die Umsetzung der jagdgesetzlichen Vorgaben den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege (vgl. § 1 NNatSchG) nicht zuwiderläuft. Das Ziel der gesetzlichen Vorgaben (vgl. § 1 (2) BJagdG sowie § 3 NJagdG) des Jagdrechts beinhaltet den Erhalt eines artenreichen Wildbestandes und damit eines nicht unerheblichen Teils aller wildlebenden Tiere als Teil des Naturhaushaltes. Dabei ist vom Gesetzgeber festgelegt, daß das biologische Gleichgewicht weder durch übermäßige Nachstellung noch durch übermäßige Hege gestört wird und ein artenreicher, gesunder Wildbestand erhalten bleibt. Darin eingeschlossen ist auch die Pflege und Sicherung der Lebengrundlagen des Wildes in seinem jeweiligen Lebensraum. Mit der Befolgung der jagdgesetzlichen Vorgabe wird ein wesentlicher Teil der Ziele und Aufgaben des Naturschutzes und der Landschaftspflege erfüllt und erreicht.

Dietrich Lüderwaldt, der langjährige Leiter der niedersächsischen Fachbehörde für Naturschutz und Mitarbeiter im Umweltministerium hat das Ziel des Naturschutzes an der Norddeutschen Naturschutzakademie einmal folgendermaßen definiert:

"Aus den gesetzlich formulierten Zielen des Naturschutzes ergibt sich als Oberziel

  • die Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts (besser "Funktionsfähigkeit")

mit den hieraus abzuleitenden gleichberechtigten Teilzielen:

  • Regulation und Regeneration der biotischen Komponenten des Naturhaushaltes (Pflanzen-, Tierwelt, Lebensgemeinschaften)
  • Regulation und Regeneration der abiotischen Komponenten des Naturhaushaltes (Boden, Wasser, Luft)
  • Sicherung von Vielfalt, Eigenart, Schönheit (Naturerlebnis, Erholungsvorsorge)

Die drei Teilziele sind anzuwenden für alle Nutzungen unter dem zusätzlichen Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit."

Herr Lüderwaldt betont hiernach deutlich etwas als Ziel für den Naturschutz, was die Jäger in Mitteleuropa schon seit langem als Maßstab für ihr Handeln festgelegt haben und praktizieren: das Regulieren der Tierwelt bzw. der Lebensgemeinschaften unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Es liegt auf der Hand, daß die Jäger bei dieser Rechtslage sich selbstverständlich als Naturschützer sehen, die schon mit ihrem jagdlichen Eingriff in Tierpopulationen ein Teil der Naturschutzziele umsetzen! Und daß dies auch andernorts so gesehen und bestätigt wird, ist u.a. auch daraus ersichtlich, daß die Jagdorganisationen alle als Naturschutzverband gemäß § 29 BNatSchG anerkannt sind.