News-Artikel

Sau-dumm? Sau-schlau!

Dr. Oliver Keuling

Jagdhornbläser

Landrätin A. Klinkert-Kittel

Zu einem Vortrag mit dem Titel "Sau-dumm? Sau-schlau! Wie Wildschweine `denken´ - Strategien zur Bejagung" hatte die Jägerschaft Northeim kürzlich zu ihrer 4. Herbstjagd-versammlung in die Stadthalle Northeim eingeladen.

Der Vorsitzender der Jägerschaft Northeim, Ralf- Günter Rahnert, begrüßte die mehr als 200 interessierten Gäste, unter ihnen zahlreiche Vertreter aus Politik und Verbänden.

Die Landrätin, Frau Astrid Klinkert-Kittel, würdigte in Ihrem Grußwort die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Jägerschaften und der Kreisverwaltung. Sie dankte den Jägerinnen und Jägern für ihren Einsatz in der Biotoppflege und bei der Beseitigung von Fallwild, das nach Verkehrsunfällen tot auf der Straße liegt oder schwer verletzt flüchten konnte und vom Jäger nachgesucht und erlöst werden müsse. Große Anerkennung fand bei ihr auch der ernorme Zuwachs in der Streckenzahl für Schwarzwild. Mit den im Jagdjahr 2017/18 mehr als 4.300 erlegten Wildschweinen im Landkreis Northeim leisteten die Jägerinnen und Jäger einen nicht zu unterschätzenden Beitrag in der Prävention bezüglich der drohenden Afrikanischen Schweinepest.

Herr Wolfgang Haendel, erster stellvertretender Bürgermeister der Stadt Northeim, überbrachte Grüße von Bürgermeister Simon Hartmann sowie von Rat und Verwaltung der Stadt.

Der Referent des Abends, Dr. Oliver Keuling, ist an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Bereich Wildtiermanagement tätig mit dem Schwerpunkt Forschungen zum Schwarzwild.

Seine Studien zum Verhalten der Wildschweine sind heute aktueller denn je. Experten halten einen Ausbruch der ASP auch in Deutschland - wie kürzlich bereits in Belgien - für unabwendbar, offen sei nur noch die Frage "Wann?". Als vorbeugende Maßnahme ist daher eine Regulierung des Wildschweinbestandes von hoher Bedeutung.

Die Jagd auf Schwarzwild ist besonders schwierig und häufig sehr zeitaufwändig. Ein besseres Verständnis der Verhaltensweise von Wildschweinen kann helfen, die Jagdstrategien und Jagderfolge zu verbessern. Die umfangreichen Studien des Teams um Dr. Keuling umfassen verhaltensökologische Beobachtungen, Bestandserfassung, Krankheiten, Reproduktion, Schadensvermeidung und Jagdmanagement bei Schwarzwild.

Die Wildschweine wurden dafür gefangen und mit Ohrmarkensendern oder GPS-Halsbändern versehen. Mit den über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren empfangenen Daten war es möglich, die Bewegungsmuster von Wildschwein-rotten bezogen auf Tageszeiten und die unterschiedlichen Jahreszeiten zu erfassen und darzustellen.

Dr. Keuling konnte mithilfe von Grafiken sehr anschaulich zeigen, wie sich die Streifgebiete der Wildschweine saisonal verschieben, wie groß diese Streifgebiete sind und wie sich die Rotten bei Sonderereignissen wie z.B. einer Drückjagd verhalten. Sehr deutlich ist dabei geworden, dass die Rotten bei Drückjagden innerhalb kürzester Zeit die bejagten Regionen verlassen und erst nach den Jagden zurückkommen. Für die Organisation solcher Jagden ist es also von entscheidender Bedeutung, die Fluchtwechsel zu kennen und die Schützen entsprechend zu positionieren.

Sehr erstaunlich ist auch, wie schnell das Wild erkennt, ob eine Kirrung bejagt ist oder nicht. So ist die Aufenthaltsdauer an Kirrungen, die zwischenzeitlich für diese Experimente nicht bejagt wurden, erheblich länger.

Bei hohen Schwarzwildbeständen drohen wirtschaftliche und ökologische Gefahren und eine erhöhte Anzahl von Wildunfällen. Wildschäden in der Landwirtschaft, besonders in Raps- und Maisschlägen oder auch durch umgebrochene Wiesen, treten vermehrt auf. Auch Krankheiten und Zoonosen können von Wildschweinen übertragen werden wie z.B. die klassische Schweinepest, die Aujeszky’sche Krankheit - die für Hunde tödlich ist – oder eben die Afrikanische Schweinepest. Bezogen auf die Ökologie gibt es negative Einflüsse auf seltene und geschützte Arten wie Amphibien und Niederwild.

Fazit der Untersuchungen: Schwarzwild ist flexibel und anpassungsfähig. Es ist sehr standorttreu trotz hoher saisonaler Einflüsse. Eine effektive Bejagung sei nur bei Berücksichtigung dieser Erkenntnisse und besonders durch revierübergreifende Drückjagden Erfolg versprechend.

Ralf-Günter Rahnert dankte dem Referenten und betonte zum Abschluss die Notwendigkeit einer intensiven Bejagung. Er forderte die anwesenden Jägerinnen und Jäger auf, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen.

Die Herbstjagdversammlung wurde von den Jagdhornbläsern der Jägerschaft Northeim musikalisch begleitet.