News-Artikel

Gelegeschutz erfolgreich - Großer Brachvogel geschlüpft

Zusammenwirken von Jägerschaft, Landwirt und NABU sicherte Bruterfolg

Das im Mai im Revier Westeresch entdeckte Brachvogelgelege, das mit Hilfe der NABU-Kreisverbandes Bremervörde-Zeven zum Schutz vor Feinden mit einem Elektrozaun gesichert wurde, ist inzwischen geschlüpft. Die Jungvögel, die als Nestflüchter bereits unmittelbar nach dem Schlupf den Altvögeln folgen, wurden von diesen in die benachbarten Wiesenbereiche geführt. Sie konnten seitdem nicht mehr gesichtet, ihre weitere Entwicklung damit nicht länger verfolgt werden. Nach Aussage der NABU-Expertin Frau Simone Zukowski, ist ein Schutz der Jungvögel durch die Helfer nach dem Zeitpunkt des Schlüpfens nicht mehr möglich. Hier beginnt die naturgegebene Entwicklung, aber auch der natürliche Ausleseprozess, in dem die Jungvögel durch die große Zahl der Fressfeinde, wie Fuchs, Greifvögel, Krähen, eine äußerst geringe Überlebenschance haben, so die Expertin.

Die weiblichen Alttiere fliegen schon Anfang Juli wieder in ihre Winterquartiere. Die männlichen Alttiere bleiben bei den Jungvögeln bis diese vollständig Flügge sind und folgen später mit ihnen nach. Ziel ihres Zuges sind die süd- und westeuropäischen Küsten- und Wattgebiete. Einige Tiere verbringen die kalte Jahreszeit auch an Seen oder in Feuchtgebieten im Binnenland, wie z.B. am Chiemsee, dem sogenannten „Bayerische Meer". In dieser Jahreszeit führen die meisten Binnenseen Niedrigwasser. Dadurch entstehen zwischen den dichten Schilfzonen und der Wasserfläche der Seen geschützte Uferbänder, an denen die Brachvögel ungestört nach Nahrung im weichen Schlamm suchen können. Das umliegende Grünland wird ebenfalls als Nahrungsquelle genutzt.

Die Brachvögel ernähren sich überwiegend von Tieren, doch kann der Anteil vegetarischer Kost im Binnenland recht hoch sein. Vor allem werden Wirbellose der oberen Bodenschichten wie Regenwürmer erbeutet. Kleine Frösche und Kröten, Eidechsen, Jungvögel und Kleinnager wurden zwar als Beute nachgewiesen, doch spielen sie eine nur geringe Rolle. Im Binnenland werden sehr viele Insekten gefressen, Dung- und Laufkäfer, Käferlarven, Heuschrecken, Grillen, Ohrwürmer, Raupen, kleine Spinnen, Tausendfüßler und Asseln stehen auf dem Speiseplan ganz oben.

Im nächsten Jahr sehen wir den Brachvogel an gleicher Stelle wahrscheinlich wieder. Die recht langlebigen Vögel, die bis zu 30 Jahre alt werden können, sind sehr nestplatztreu und bleiben dem einmal gewählten Brutplatz u.U. auch dann noch treu, wenn er inzwischen in einen Acker umgewandelt wurde. Küken können dann dort allerdings nicht mehr flügge werden.

Soll die Populationsentwicklung des Brachvogel in unserer Region aktiv gefördert werden, ist es erforderlich, bei der Bewirtschaftung der Grünlandflächen die Ansprüche des Großen Brachvogels stärker als bisher zu berücksichtigen. Die finanzielle Förderung von Naturschutzmaßnahmen durch den Landkreis gibt hier bereits einige effektive Maßnahmen vor. An erster Stelle steht hier das Wiedervernässen von Handtorfstichen durch Dichtsetzen der Abflussgräben und die damit verbundene Wiederherstellung offener, gehölzarmer Hochmoore als Brut- und Lebensraum. Es folgt die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Wasserflächen, Flachwassermulden, Überschwemmungsflächen und Schlammflächen sowie die Pflege artenreicher Grünlandflächen und die Anlage artenreicher Säume.

Nur die richtige Balance von Naturschutzmaßnahmen und Bewirtschaftung wird es langfristig ermöglichen, den Großen Brachvogel in unserer Region wieder heimisch werden zu lassen. Wo es Vorkommen vom Großen Brachvogel auf landwirtschaftlichen Nutzflächen gibt, ist, wie das Beispiel Westeresch zeigt, eine enge Kooperation mit den Landwirten zum Schutz von Gelegen und Bruten sehr erfolgreich. So konnte dem Landwirt Rudi Weseloh, vom Leiter des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege, Herrn Jürgen Cassier, im Beisein des Vorsitzenden der Jägerschaft Rotenburg (Wümme), Ulrich Voß, des zuständigen Hegeringleiters, Dr. Henrik Porrath und des Revierinhabers Ernst Behrens, im Auftrag des Landrates eine Dankesurkunde und eine Prämie für sein Engagement in Sachen Brachvogelschutz überreicht werden. Die Prämie ist bei Schlupferfolg im Förderkonzept von Naturschutzmaßnahmen des Landkreises sowie im Naturschutzkonzept der Jägerschaft vorgesehen.