News-Artikel

Wildfleisch im Kreis Rotenburg Trichinenfrei

Leiter des Veterinäramtes und Kreisjägermeister ziehen Bilanz

"Trichinella spiralis" im Muskelgewebe

Im Zeitraum von Februar 2009 bis Januar 2010 wurden im Landkreis Rotenburg insgesamt 2.523 Wildschweine erlegt. Auf die Jägerschaft Rotenburg entfielen davon im letzten Jagdjahr, das in etwa mit diesem Zeitraum deckungsgleich ist, 1.180 Wildschweine, was einem Plus von 8,7% entspricht. Bei einem Durchschnittsgewicht von 41 kg je Wildschwein und ca. 50% angenommener verwertbarer Fleischmasse, kamen damit rund 44.000 Kilo Wildbret auf die Teller in unserer Region.

Das Fleisch dieser Wildschweine ist ebenso wie das Fleisch von Hausschweinen, Pferden und anderen Einhufern, Sumpfbibern, und anderen fleischfressenden Tieren, einer amtlichen Untersuchung auf Trichinen oder richtiger Trichinellen, zu unterziehen, wenn es zum Genuss für den Menschen verwendet werden soll. Die Trichinose oder Trichinellose ist eine weltweit vorkommende, mild bis tödlich verlaufende Lebensmittelinfektion mit Fadenwürmern der Gattung „Trichinella“.

Die obligatorische Trichinenbeschau, d.h. die mikroskopische Untersuchung des Fleisches zur Detektion der Muskellarven von „Trichinella spiralis“, wurde erstmals 1886 in Preußen eingeführt. Vor Einführung des "Reichsfleischbeschaugesetzes" um 1900 gab es in Deutschland nach Schätzungen etwa 15.000 Erkrankungen pro Jahr, die durch „Trichinella spiralis“ verursacht wurden. Im Ergebnis der nachfolgend konsequenten Fleischbeschau sank diese Zahl in nur 50 Jahren auf nahezu Null.

Nach den Ergebnissen der amtlichen Fleischuntersuchung wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren (1996 – 2005) in Deutschland insgesamt 415,9 Mio. Hausschweine inländischer Herkunft untersucht, wobei lediglich bei einem Schwein aus Nordrhein-Westfalen im Jahre 2003 Trichinellen nachgewiesen wurden. Im gleichen Zeitraum waren von 3,2 Mio. untersuchten Wildschweinen allerdings 101 Tiere Trichinella-positiv. Ein Grund, warum die Trichinenuntersuchung beim Wildschwein eine Pflichtuntersuchung ist, bzw. das in Verkehr bringen ohne Untersuchung eine Straftat darstellt.

Wie sind die Jäger im Landkreis dieser Pflicht nun nachgekommen? Ein Thema, das kürzlich in der Presse für Schlagzeilen sorgte, als bekannt wurde, dass in Hessen nur für ca. 50% der als erlegt gemeldeten Wildschweine eine Trichinenuntersuchung nachgewiesen werden konnte.

Der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Joachim Wiedner, Kreisverwaltungsdirektorin Heike von Ostrowski und Kreisjägermeister Dr. Hermann Gerken hatten zur Verkündung der Bilanz eigens zu einem Pressegespräch geladen. Von einer sehr guten Bilanz bei den Trichinenuntersuchungen im Landkreis konnte hier berichtet werden. „In der Zeit von Februar 2009 bis einschließlich Januar 2010 sind insgesamt 2.088 Proben auf Trichinellen im hauseigenem Labor untersucht worden, ohne das Trichinellen nachgewiesen werden konnten“, so Dr. Wiedner. „Da aber nicht jedes nach dem Jagdrecht zu meldende Wildschwein auf Trichinellen zu untersuchen ist“, so Dr. Wiedner weiter, „müssen von der Gesamtstrecke von 2.523 Wildschweinen 139 Stück Unfallwild abgezogen werden, die nicht als Lebensmittel tauglich waren. Zusätzlich wurden 80 Kleinstfrischlinge nicht untersucht, da auch sie als Lebensmittel nicht geeignet waren. Darüber hinaus wurden 167 Wildschweine an den Wildhandel abgegeben, der dann für die Trichinenuntersuchung zuständig wurde. Damit ergibt sich eine Untersuchungsquote von 97,7% im Landkreis Rotenburg“.

Es bleibt also eine Differenz von 2,3% oder 49 Wildschweinen, für die es nach Aussage des Kreisjägermeister Dr. Gerken, ebenfalls eine plausible Erklärung gibt. „Jäger aus angrenzenden Landkreisen, die in hiesigen Revieren zur Jagd gehen, nehmen die von ihnen gestreckten Wildschweine mitunter in ihren Heimatlandkreis mit und lassen sie dort auf Trichinen untersuchen“, so Dr. Gerken.

Die Zusammenarbeit zwischen Behörde, Jägerschaften und Jägern klappt im Landkreis in Sachen Trichinenprobe ausgezeichnet, war man sich einig. Die eigens eingerichteten zwölf Sammelstellen nehmen die Proben montags, an vier Stellen auch und donnerstags entgegen. Die Untersuchung der Proben erfolgt im hauseigenen zentralen Labor des Landkreises. Dieses erfüllt die EU-Vorschriften und ist eines der wenigen akkreditierten Einrichtungen deutschlandweit.