Der Duft nach Fisch und Nordseeluft

Spurensucherseminar zur Steigerung der Informationsdichte

Wie sieht sie aus, die Spur des Fischotter? Welche Stellen markiert er vorzugsweise mit seinem Kot? Wie unterscheidet sich dieser vom Kot dem der anderen Marderartigen? Dieses sind nur einige Fragen, mit denen sich 20 interessierte Fischotterfreunde vor kurzem während des Spurensucherseminars, dass die Jägerschaft Rotenburg (Wümme) e.V. in Zusammenarbeit mit dem Otterzentrum Hankensbüttel im Helscher Hus veranstaltete, auseinandersetzen mussten. Auf alle diese Fragen hatte Dr. Hans-Heinrich Krüger vom Otterzentrum Hankensbüttel natürlich eine passende Antwort parat.

Der Fischotter gilt als eine der wichtigsten Leittierarten für fischreiche, intakte Gewässer und ist zudem biogeographisch hochinteressant. Die starke Gefährdung des Fischotter in Europa war Anlass dafür, ihn im Rahmen der Bewahrung des europäischen Naturerbes unter den besonderen Schutz der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie zu stellen. Obwohl streng geschützt und geradezu ein Symbol für den Naturschutz, sind die Kenntnisse über sein Leben in der freien Natur, vor allem aber über seine Bestandszahlen und Wanderbewegungen noch lückenhaft. Sicher ist nur, seine Ausbreitungstendenz, speziell hier im Landkreis, hält erfreulicher Weise an.

Die drei Jägerschaften des Landkreises sind entschlossen, sich aktiv für den Fischotterschutz einzusetzen. Konsequenterweise wollen sie auch zur Informationsgewinnung über den Fischotter beitragen. Die Jägerschaft Rotenburg (Wümme) veranstaltete dazu, mit Unterstützung von Dr. Hans-Heinrich Krüger vom Otterzentrum Hankensbüttel, ein erstes Spurensucherseminar.

Durch verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Wassergüte und der Struktur der Gewässer, konnte der Fischotter schon erhebliche Teile seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes im Landkreis zurückgewinnen. Zu verdanken ist diese Entwicklung unter anderem dem Umstand, dass der Landkreis Rotenburg (Wümme) mit Mitteln des Fischotterprogramms des Landes Niedersachsen, sowie des Niedersächsischen Fließgewässerprogramms, große zusammenhängende Flächen an der Wümme aufgekauft und renaturiert oder sie ihrer natürlichen Entwicklung überlassen hat.

Als dämmerungs- und nachtaktive Art mit individuellen Revieransprüchen entzieht sich der Fischotter weitestgehend einer zahlenmäßigen Erfassung durch direkte Beobachtung. Da weder Auswertungen von Jagdstrecken, Umfragen mittels Fragebögen, Expertenbefragungen oder Sammlungen von Zufallsfunden verlässliche und vergleichbare Ergebnisse erbrachten, wurde in England in den Jahren 1977-79 eine Stichprobenmethode entwickelt, die für großräumige Verbreitungserhebungen des Fischotters geeignet erschien. Diese Stichprobenmethode wurde in den Folgejahren zur ISOS-Methode weiterentwickelt und schließlich im Rahmen des FFH-Stichprobenmonitorings als Standartmethode übernommen.

Den Kern dieser Methode bildet ein 10 x 10 km große Quadrate umfassendes Raster, das über das Untersuchungsgebiet gelegt wird. In ihnen werden vier Stichprobenorte festgelegt, die möglichst gleichmäßig über das Quadrat verteilt sind und das Spektrum der darin vorzufindenden Gewässer widerspiegeln sollen. An diesen Stichprobenorten werden Uferabschnitte von 600 m Länge an Gewässern (bei Fließgewässern nur auf einer Uferseite) abgesucht, wobei der Ausgangspunkt der Suche bevorzugt (und wenn vorhanden) an einer Brücke liegen sollte. Gesucht wird nach Trittsiegeln und Kot des Otters, andere mögliche Feldmerkmale (Ein- und Ausstiege, Fraß- und Wälzplätze, Unterschlüpfe) werden nicht als Nachweis anerkannt. Sobald ein solcher Nachweis für die Anwesenheit von Ottern gefunden wurde, kann die Suche abgebrochen und der Stichprobenort als „positiv" eingestuft werden.

Während des praktischen Seminarteils hatte jeder Teilnehmer die Gelegenheit sich mit den Trittsiegeln des Fischotter und seinen Kotmarkierungen vertraut zu machen. Ein gutes Näschen ist hier im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert, denn der unverkennbare Duft des Otterkot nach „Fisch und Nordseeluft“ bleibt jedem, der ihn einmal gerochen, für immer in Erinnerung.

Aus dem Anteil der positiven Stichprobenorte an der Gesamtanzahl der untersuchten Stichprobenorte ergibt sich der „Prozentsatz positiver Stichprobenorte", der als Vergleichsbasis zwischen verschiedenen Regionen oder Zeiträumen dient. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Werte tatsächlich mit der gleichen Methode ermittelt wurden. Denn das ist der eigentliche Vorteil der Standardmethode, dass sie nämlich vergleichbare Daten liefert, aufgrund derer Populationstrends erkennbar werden. Was diese Methode nicht leisten kann, das ist die Ermittlung genauer Bestandszahlen. Zwar gibt es Indizien dafür, dass die Anzahl der gefundenen Kotmarkierungen ein Weiser für die Populationsdichte sein könnte. Diese Hypothese ist jedoch in der Fachwelt umstritten.

Da es sich um ein Stichprobenverfahren handelt, spiegeln die Ergebnisse auch nicht das konkrete, flächendeckende Vorkommen von Ottern an allen Gewässern wider. In Gebieten mit einer hohen Gewässerdichte können bei vier Stichprobenorten je Quadrat logischerweise nicht alle Gewässer erfasst werden. Da jedoch jeder der vier Stichprobenorte eine Fläche von 25 km² repräsentiert, erhält man ein recht genaues Bild von der Otterverbreitung. Unser Landkreis hat eine Gesamtfläche von 2070 km². Zur vollkommenen Abdeckung wären 83 Stichprobenorte erforderlich. Derzeit verfügt der Landkreis jedoch erst über 51 Stichprobenorte, deren Anzahl nun in Absprache zwischen Jägerschaften und Otterzentrum durch die neuen Spurensucher weiter erhöht werden soll. Das Seminar leistet damit auch einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Informationsdichte in Sachen Fischotter im Landkreis Rotenburg (Wümme).