Zur ökologischen Bedeutung von Wildäckern
Forschungsprojekt der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. , Geschäftsstelle Hannover, und der Universität Hannover, Institut für Botanik. Gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.
Bisherige Ergebnisse (Auszug)
Material und Methoden
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Zwischen Mai und September wurden die Vegetation und die Beäsung des Aufwuchses von 68 Wildkräutern aus 13 Jägerschaften in Niedersachsen erfaßt. Die Standorte befinden sich ausschließlich in der Feldflur und liegen in den vier naturräumlichen Bereichen Ems-Hunte-Dümmer-Geest, Weser-Aller-Flachland, sowie im westlichen und östlichen Weser- und Leinebergland. Berücksichtigt wurden diesjährige Einsaaten, die den derzeitigen Querschnitt von speziellen Wildackermischungen oder Reinsaaten repräsentieren.
Hase und Reh sind die in den betrachteten Jägerschaften dominierenden Haarwildarten, deren Beäsung anhand einer Verbißkartierung qualitativ und quantitativ erhoben wurde.
Pflanzenartenspektrum
Insgesamt wurden 40 Kultur- und 237 Wildpflanzenarten festgestellt. Bei einer Spanne von 12 Arten bis 62 Arten belief sich der Durchschnitt auf 34,8 Wildpflanzenarten. Unter diesem Wert liegt nur der Naturraum Weser-Aller-Flachland, dessen Wildäcker im Mittel 24,3 Arten beherbergen. Mit mehr als 37 Arten weist der Alfelder-Göttinger Raum den Höchsten Anteil auf.
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Je artenreicher der Wildacker ist, desto höher ist auch die Zahl der Pflanzenarten der Roten Liste. Auf mehr als jedem dritten Acker tritt mindestens eine gefährdete Art auf. Fünf Pflanzenarten sind sogar "stark gefährdet" (Status Rote Liste 2).
Beäsung
Die auf den Wildäckern vorkommenden Pflanzenarten wurden in unterschiedlicher Menge und Regelmäßigkeit beäst.
Das Äsungsspektrum von Hase und Reh ist gekennzeichnet durch einen bestimmten Anteil häufig und selten beäster Pflanzenarten. 23 von 40 angebauten Kulturpflanzenarten werden beäst (57,5%). Bei den Wildpflanzen liegt der absolute Anteil fast dreimal so hoch: Hier werden 67 von 237 Arten beäst (28,7 %). Zu besonders beliebten wildwachsenden Äsungspflanzen zählen "gemeine" Arten wie die Saudistel.
Vorläufiges Fazit
Die Auffassung, Wildäcker seien grundsätzliche Lebensräume von geringer Bedeutung, ist nach den vorliegenden Zwischenergebnissen zumindest für die Feldflur nicht mehr aufrechtzuerhalten. Daneben existieren Wildäcker, deren aktueller ökologischer Wert zwar gering ist, denen jedoch wegen vergleichbarer Bewirtschaftungsvoraussetzungen ein erhebliches Entwicklungspotential zuerkannt wird. Aus der Sicht des Pflanzenartenschutzes zählt derzeit mehr als ein Drittel der Wildäcker zu Standorten von beachtlichem floristischen Wert.
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Die bisher unbekannte und nirgends dokumentierte Bedeutung von Wildäckern als Äsungsfläche für Hase und Reh zeigt, dass die im Vergleich zu Wirtschaftsäckern durchschnittlich artenreichere Unkrautflora der Wildäcker nicht nur zum festen Bestandteil der Sommeräsung zählt, sondern im Ernährungsspektrum Bereiche abdeckt, die durch die angebauten Kulturpflanzen offenbar ungenügend oder gar nicht (angesalbte Wildpflanzen) erfüllt sind.
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der generellen Artenverarmung in der Feldflur kommt den meist extensiv bewirtschafteten Wildäckern eine noch unbekannte und fraglos unterschätzte Wohlfahrtswirkung zu. Diese im Detail für Wildtiere und Wildpflanzen nachzuweisen, wird Gegenstand der nächsten Projektphase sein.
Das im Projekt grundsätzlich verfolgte Ziel, neben den Kulturpflanzen einen gebührenden Anteil an wildwachsenden Äsungsflächen auf Wildäckern durch integrative Bewirtschaftung zu etablieren, ohne dass daraus landwirtschaftliche Probleme entstehen, soll in 2003 im Rahmen eines niedersachsenweiten Versuchs modellhaft umgesetzt werden.
Dr. S. Aboling




