Forschungsprojekte

Netzwerk Lebenraum Feldflur

Die Landesjägerschaft Niedersachsen ist Partner im "Netzwerk Lebensraum Feldflur", einem Zusammenschluss aus 27 Akteuren der Jagd, des Naturschutzes und der Energiewirtschaft. Es will mit dem Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ die Biogaserzeugung aus Biomasse enger mit den Zielen des Arten-, Natur- und Umweltschutzes verknüpfen und Mischungen aus heimischen Wildpflanzenarten als eine ökologisch notwendige und ökonomisch tragfähige Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen in der landwirtschaftlichen Praxis etablieren.

Praktikertagung „Biomasse aus Wildpflanzen

Netzwerk Lebensraum Feldflur veranstaltet am 9. Mai Praktikertagung zum Thema „Biomasse aus Wildpflanzen“ in Paderborn

27. März 2017 (DeWist/Lebensraum Feldflur) Hamburg/Berlin

Der Anbau von Wildpflanzenmischungen erhöht die Artenvielfalt in den Agrarlandschaften und unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Landwirtschaft. Mittlerweile sind mehrjährige Anbausysteme aus ertragreichen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion auch aus ökonomischer Sicht eine Alternative zum Mais:  Sie verursachen geringe Investitions- und Pflegekosten und sind in der Lage, hohe Stickstoffmengen aus dem Boden zu binden.  Gleichzeitig können Wildpflanzenmischungen heute einen wettbewerbsfähigen Ertrag in der Biomassegewinnung erzielen.

Das Tagungsprogramm und ein Anmeldeformular für die kostenlose Veranstaltung sind auf der Internetseite: www.lebensraum-feldflur.de


Hier finden Sie den Flyer zur Tagung

Zum Anmeldeformular

Anmeldeschluss ist der 30. April 2017

Kontakt
Netzwerk Lebensraum Feldflur
c/o Deutsche Wildtier Stiftung
Uta Hennig
Christoph-Probst-Weg 4
20251 Hamburg
U.Hennig(at)dewist.de
040 9707869-26


Veranstaltungsort

Schützenhof Paderborn
Schützenplatz 1
33102 Paderborn

Wildplanzen geben Gas: 2013 bis Fortlaufend

In Niedersachsen wurden im Jahr 2012 auf 215.000 Hektar Mais für die Energiegewinnung in Biogasanlangen angebaut, das entspricht etwa 10,8 Prozent der Ackerfläche in Niedersachsen. Regional führt dies zu einer Verengung der Fruchtfolge und damit massiven Nachteilen für die Artenvielfalt im ländlichen Raum. Ziel des im Spätsommer 2013 gestarteten dreijährigen Forschungsprojektes „Energie aus Wildpflanzen“ der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) ist es, alternative, praxistaugliche Konzepte für einen nutzungsintegrierten Naturschutz weiter voranzubringen und so Lebensräume für die Bewohner der Feldflur zu erhalten und auszuweiten.

Die heutige Flächennutzung unterliegt einer Vielzahl von konkurrierenden Nutzungsinteressen: Intensive landwirtschaftliche Nutzung, Versiegelung, Anforderung des Tourismus auf der einen, Klima-, Natur- und Artenschutzinteressen auf der anderen Seite.  "Mit unserem Forschungsprojekt versuchen wir Lösungen für ein Miteinander der Nutzungsansprüche zu finden, deren oberstes Ziel der Erhalt der Artenvielfalt ist und die in der landwirtschaftlichen Praxis auf Akzeptanz stoßen“, so Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Verlierer  der verengten Fruchtfolge bis hin zu Monokulturisierung seien stets die wildlebende Tierarten, die auf eine abwechslungsreiche Landschaft angewiesen sind: "Klassische Bewohner der Feldflur wie Rebhuhn, Feldlerche, Hase oder Kiebitz sind genauso betroffen wie Bienen, Schmetterlinge, Käfer und andere blütensuchende Insekten - sie alle profitieren vom Anbau der Wildpflanzenkulturen", so Dammann-Tamke weiter.  

Projektpartner des landesweit angelegten Forschungsprojektes ist das 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe e.V., das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und die Praxisflächen einbringenden Landwirte: In unterschiedlichen Regionen Niedersachsens werden jeweils vier bis fünf Praxisflächen mit standortangepassten Wildpflanzenmischungen bestellt. Die begleitende Forschung umfasst im Wesentlichen zwei Teilbereiche: Zum einen den ökonomischen Mehrwert, d.h. die Entwicklung der Bestände und deren Ertragsermittlung bei Vegetationsende im Hinblick auf die Energiegewinnung als Alternative zu Maispflanzen, zum anderen den ökologischen Mehrwert, d.h. die Habitatqualitäten der angebauten Wildpflanzenmischungen für Säugetiere und Vögel. Am Ende des zweijährigen Forschungsvorhabens werden die Ergebnisse der Untersuchung in einem Endbericht zusammengefasst und veröffentlicht.  

Das Forschungsprojekt „"Energie aus Wildpflanzen“ wird zu 70 Prozent mit Mitteln  Landes Niedersachsen finanziert, die verbleibenden 30 Prozent  bestreitet die Landesjägerschaft aus eigenen Mitteln. Die wissenschaftliche Begleitforschung erfolgt durch externe Institute. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes fließen ein in das bundesweite Projekt „Netzwerk Lebensraum Feldflur, an dem sich die Landesjägerschaft ebenfalls beteiligt und dessen Zielstellung es ist, die Biogaserzeugung aus Biomasse enger mit den Zielen des Arten-, Natur- und Umweltschutzes verknüpfen.

Hier finden Sie eine Projektbeschreibung

Impressionen der Projektfläche Mundersum 2017

Hier finden Sie einige Impressionen der Projektfläche Mundersum

Informationen zum Netzwerk Lebensraum Feldflur

Rückgangsursachsen von Fasan- un Rebhuhnbesätzen: 2011 bis fortlaufend

Forschungsvorhaben zu den Rückgangsursachen bei Fasan und Rebhuhn


Seit einiger Zeit ist ein kontinuierlicher Rückgang der Besätze von Fasan und Rebhuhn in einigen Regionen Niedersachsen festzustellen. Die Landesjägerschaft hat mit Mitteln aus der Jagdabgabe des Landes Niedersachsen ein großangelegtes Untersuchungsprojekt zu den möglichen Ursachen beim Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Stiftung Tierärtzliche Hochschule Hannover in Auftrag gegeben. Da auch in Teilen Nordrhein-Westfalens sowie Schleswig-Holsteins gleiche Entwicklungen zu verzeichnen sind, beteiligen sich seit dem Jahr 2013 beide Landesjagdverbände ebenfalls an diesem Projekt. Bestandteile der Untersuchung sind abiotische Faktoren des spezifischen Lebensraumes, wie z.B. Witterungsbedingungen, mögliche Einträge von Pflanzenschutzmitteln oder Bioziden in die Nahrungskette sowie der Einfluss von biotischen Faktoren, v.a. Krankheitserreger (Viren, Bakterien, Parasiten). Zudem ist der Einfluss von Prädatoren (Beutegreifern) Bestandteil des Forschungsvorhabens. Hierzu hat die LJN ebenfalls mit Mitteln aus der Jagdabgabe des Landes Niedersachsen das ITAW mit einem eigenen Forschungsprojekt beauftragt.

Untersuchungsergebnisse (Zwischenstand):

Flyer Rückgangsursachen

Flyer Prädation

 

Informationen zum Forschungsprojekt

Informationen zum Fasan

Informationen zum Rebhuhn

Zur ökologischen Bedeutung von Wildäckern

Forschungsprojekt der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. , Geschäftsstelle Hannover, und der Universität Hannover, Institut für Botanik. Gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Bisherige Ergebnisse (Auszug)

Material und Methoden

Zwischen Mai und September wurden die Vegetation und die Beäsung des Aufwuchses von 68 Wildkräutern aus 13 Jägerschaften in Niedersachsen erfaßt. Die Standorte befinden sich ausschließlich in der Feldflur und liegen in den vier naturräumlichen Bereichen Ems-Hunte-Dümmer-Geest, Weser-Aller-Flachland, sowie im westlichen und östlichen Weser- und Leinebergland. Berücksichtigt wurden diesjährige Einsaaten, die den derzeitigen Querschnitt von speziellen Wildackermischungen oder Reinsaaten repräsentieren.

Hase und Reh sind die in den betrachteten Jägerschaften dominierenden Haarwildarten, deren Beäsung anhand einer Verbißkartierung qualitativ und quantitativ erhoben wurde.

Pflanzenartenspektrum

Insgesamt wurden 40 Kultur- und 237 Wildpflanzenarten festgestellt. Bei einer Spanne von 12 Arten bis 62 Arten belief sich der Durchschnitt auf 34,8 Wildpflanzenarten. Unter diesem Wert liegt nur der Naturraum Weser-Aller-Flachland, dessen Wildäcker im Mittel 24,3 Arten beherbergen. Mit mehr als 37 Arten weist der Alfelder-Göttinger Raum den Höchsten Anteil auf.

Je artenreicher der Wildacker ist, desto höher ist auch die Zahl der Pflanzenarten der Roten Liste. Auf mehr als jedem dritten Acker tritt mindestens eine gefährdete Art auf. Fünf Pflanzenarten sind sogar "stark gefährdet" (Status Rote Liste 2).

Beäsung

Die auf den Wildäckern vorkommenden Pflanzenarten wurden in unterschiedlicher Menge und Regelmäßigkeit beäst.

Das Äsungsspektrum von Hase und Reh ist gekennzeichnet durch einen bestimmten Anteil häufig und selten beäster Pflanzenarten. 23 von 40 angebauten Kulturpflanzenarten werden beäst (57,5%). Bei den Wildpflanzen liegt der absolute Anteil fast dreimal so hoch: Hier werden 67 von 237 Arten beäst (28,7 %). Zu besonders beliebten wildwachsenden Äsungspflanzen zählen "gemeine" Arten wie die Saudistel.

Vorläufiges Fazit

Die Auffassung, Wildäcker seien grundsätzliche Lebensräume von geringer Bedeutung, ist nach den vorliegenden Zwischenergebnissen zumindest für die Feldflur nicht mehr aufrechtzuerhalten. Daneben existieren Wildäcker, deren aktueller ökologischer Wert zwar gering ist, denen jedoch wegen vergleichbarer Bewirtschaftungsvoraussetzungen ein erhebliches Entwicklungspotential zuerkannt wird. Aus der Sicht des Pflanzenartenschutzes zählt derzeit mehr als ein Drittel der Wildäcker zu Standorten von beachtlichem floristischen Wert.

Die bisher unbekannte und nirgends dokumentierte Bedeutung von Wildäckern als Äsungsfläche für Hase und Reh zeigt, dass die im Vergleich zu Wirtschaftsäckern durchschnittlich artenreichere Unkrautflora der Wildäcker nicht nur zum festen Bestandteil der Sommeräsung zählt, sondern im Ernährungsspektrum Bereiche abdeckt, die durch die angebauten Kulturpflanzen offenbar ungenügend oder gar nicht (angesalbte Wildpflanzen) erfüllt sind.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der generellen Artenverarmung in der Feldflur kommt den meist extensiv bewirtschafteten Wildäckern eine noch unbekannte und fraglos unterschätzte Wohlfahrtswirkung zu. Diese im Detail für Wildtiere und Wildpflanzen nachzuweisen, wird Gegenstand der nächsten Projektphase sein.

Das im Projekt grundsätzlich verfolgte Ziel, neben den Kulturpflanzen einen gebührenden Anteil an wildwachsenden Äsungsflächen auf Wildäckern durch integrative Bewirtschaftung zu etablieren, ohne dass daraus landwirtschaftliche Probleme entstehen, soll in 2003 im Rahmen eines niedersachsenweiten Versuchs modellhaft umgesetzt werden.

Dr. S. Aboling