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TiHo-Forscher lösen Rätsel des Fasanen-Schwunds

Seit Jahren nimmt die Zahl der Fasane in Niedersachsen ab. Lange befürchtete man, dass ein Virus die Vögel tötet. Doch nach mehrjährigen Untersuchungen haben Forscher der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover nun eine andere Theorie: Die Fasane schwinden, weil die Zahl der Insekten zurückgeht.

Es fehlt an Nahrung und an Deckung: Fasane bei Werlte. (Foto: Anika Börries)

Hannover. Von Heiko Randermann: Den Rückgang bei den Wildvögeln bemerken zuerst die Jäger: Laut Landesjagdbericht wurden im vergangenen Jahr rund 33.000 Fasane geschossen - das sind rund 4100 weniger als im Vorjahr. Auch in den Jahren davor gingen die sogenannten Jagdstrecken stetig zurück: 2007 wurden noch über 150.000 Tiere getötet. Die Jagdstrecke, also die Zahl der erlegten Tiere, ist der wichtigste Indikator, um den Bestand einer Art zu erfassen.

Der Fasan kann in ganz Niedersachsen vorkommen. Die größten Bestände gibt es laut Landesjagdbericht in der Ems-Hunte-Geest, der Dümmer-Geestniederung sowie im Unteren Weserbergland. Seit einigen Jahren rätseln Experten bereits über die Ursachen des Fasanensterbens. Insekten waren zunächst nicht im Fokus der Wissenschaftler am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) an der TiHo. Denn die Vögel ernähren sich hauptsächlich von Beeren, Samen und Wurzelsprossen. Würmer und Insekten machen bei erwachsenen Tieren nur einen kleinen Teil der Nahrung aus.

Geschwächtes Immunsystem

Bei den Küken sieht das aber ganz anders aus: Diese brauchen in den ersten Lebenswochen viel tierisches Eiweiß und ernähren sich bis zu 70 Prozent von bodennahen Insekten. „Je mehr Insekten verfügbar sind, desto mehr Küken überleben die ersten Wochen“, heißt es im Landesjagdbericht. Bei geringer Insektendichte müssten die Küken einen größeren Bereich absuchen, wodurch sie mehr Energie verbrauchten und ein leichteres Ziel für Beutegreifer wären. Außerdem führe die Mangelernährung zu einer Schwächung des Immunsystems.

Hier könnte der Schlüssel für das Fasanensterben liegen, denn die Zahl und die Vielfalt der Insekten in Niedersachsen geht zurück: Moderne Landwirtschaft, eine veränderte Pflanzenwelt und der Rückgang von Weidelandschaften schränken die Lebensräume der Krabbelviecher ein. Nur noch 40.000 Hektar - das entspricht 5 Prozent der Landesfläche - seien als artenreich einzuschätzen, meint der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

In den kommenden Jahren wollen die Forscher nun herausfinden, wie es tatsächlich um die Insektendichte in den Fasanengebieten bestellt ist, welche Agrarstrukturen es dort gibt und welche Rolle eventuell der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln spielt.

Blühstreifen werden gefördert

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen verweist auf das Blühstreifenprogramm des Landes. Das Land zahle den Bauern Prämien, wenn sie zwischen ihren Äckern wild wachsende Grünflächen lassen würden. Fasane würden in diesen Blühstreifen Nahrung, Deckung und Lauffläche finden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Rund 3500 Betriebe mit 17.380 Hektar Blühstreifen in Niedersachsen würden an dem Programm bereits teilnehmen.